Raum für Kokreation: Die Stadtwerkstatt Berliner Mitte

 

Die Berliner Mitte: Über dreißig Bau- und Entwicklungsprojekte, viele interessierte und engagierte Bürger*innen, die Verwaltung als federführende Institution und weitere institutionelle Akteur*innen– viel Potenzial für Entwicklung, viel Stoff für Diskussionen. Damit sich diese Potenziale entfalten und Diskussionen fruchtbar aufgenommen werden können, gibt es seit September 2018 die Stadtwerkstatt Berliner Mitte. In den kommenden drei Jahren konzipieren und begleiten wir dort gemeinsam mit der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen ein aufwendiges und innovatives Beteiligungsverfahren mit internationalem Vorzeigecharakter – für die Berliner Mitte als Ort für alle und als lebendiges Zentrum der deutschen Hauptstadt.

Die ‚Werkstatt‘ in der Stadtwerkstatt verstehen wir wörtlich: Es ist eben nicht nur eine Bezeichnung für den Partizipationsprozess, sondern auch und gerade ein physischer Ort „mitten in der Mitte“, den wir nutzen und gestalten. 150 Quadratmeter Fläche in der Karl-Liebknecht Straße 11, direkt neben Fernsehturm und Marienkirche, etablieren wir schrittweise als Raum der Kokreation. Hier trifft sich eine Gemeinschaft von aktiven und engagierten Bürger*innen, die regelmäßig zum gemeinsamen Arbeiten mit Projektverantwortlichen aus der Verwaltung zusammenkommt. Unter dem Motto „Mach selbst, was fehlt!“ unterstützen wir die Bürger*innen dabei, sowohl zu laufenden Planungsverfahren beizutragen als auch eigene Projektideen zu entwickeln und umzusetzen.

Die Arbeit in, an und mit der Stadtwerkstatt hat vielfältige Formen: Alle zwei Monate findet ein Projektwerkraum zu einem spezifischen Thema statt. Die Verwaltung kommuniziert dort klar die Möglichkeiten zur Mitbestimmung, alle Interessierten bringen ihre Ideen ein, die Beiträge werden dokumentiert und die Ergebnisse von der Verwaltung transparent verwertet. Dazu haben wir eine Verbindlichkeitserklärung entwickelt, mit der sich die Verwaltungen zu einem strukturierten und transparenten Umgang mit den Empfehlungen und Ergebnissen aus der Beteiligung verpflichten. Im monatlich stattfindenden Forum tauscht sich die Stadtgesellschaft darüber hinaus untereinander und mit der Verwaltung aus. Ergänzend bieten wir jede Woche zwei offene Werkstattzeiten an, zu denen Interessierte informell zusammenkommen, sich informieren und vernetzen können. Hier treffen sich bereits jetzt die ersten Projektgruppen, die eigene Ideen bearbeiten, zum Beispiel zur Integration des historischen Hafens in die Entwicklung der mittleren Spreeinsel oder zur Sichtbarmachung des architektonischen Erbes der Gebäudekomplexe an der Karl-Liebknecht-Straße.

Mit all diesen Formaten entwickeln wir die Beziehungsgrundlage, die gemeinsames kreatives Schaffen ermöglicht. Einen positiven Wandel können wir schon jetzt, im fünften Monat der Stadtwerkstatt, feststellen: Weniger Beschwerden und mehr Eigeninitiative, weniger Misstrauen und mehr Lust auf Kooperation. So entsteht in und für die Berliner Mitte eine Gemeinschaft von Verschiedenen, die sich selbst als aktive Mitgestalter*innen verstehen.

Die Stadtwerkstatt beinhaltet mehrere innovative Ansätze einer kokreativen Kommune:

  • Kontinuierlicher Rahmenprozess für viele einzelne Projekte und deren Verfahren – Organisiert produktive Vernetzungen, Schnittstellen und Kooperationen
  • Fester und für Engagierte offener Ort für Beteiligung, Kooperation und urbane Kokreation – Macht Beteiligung auch im öffentlichen Raum sichtbar
  • Regelmäßige Veranstaltungen zum Austausch und zur Ideenentwicklung – Etablieren transparente und verbindliche Schnittstellen zwischen Verwaltung und Beteiligten
  • Kollaborative Arbeit mit entwurfs- und designorientierten Methoden – beschränkt sich nicht auf Diskurs und Debatte
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