Prozessoren im Feld

Wie wir als Resonierende, Transformierende, Kokreierende und Kultivierende wirken

Menschen wirken als Prozessoren im Feld. Wenn wir die Wirkungsweisen von Menschen genauer beschreiben wollen, die sich im Verlauf von Transformations- und Innovationsprozessen einstellen, dann lassen sich vier unterschiedliche Rollenzustände erkennen, die meist in der hier beschriebenen Reihenfolge, aber auch synchron verschränkt zueinander auftreten können.

Resonierende

Die erste Wirkungsweise ist die des Resonierenden: wir alle besitzen die Fähigkeit, in Resonanz zu treten: mit Menschen, mit Themen, mit Orten, mit Gefühlen und Geschichten, mit Stimmungen. Diese Resonanzfähigkeit ist das wertvollste Evaluationswerkzeug, über das wir verfügen. Nur da, wo Resonanz vorhanden ist, sollten wir agieren und uns einbringen. Wo keine Resonanz vorhanden ist, wirken wir eher störend bis zerstörend. Resonanz ist ein Indikator, der uns geschenkt wurde, um unsere Entscheidungen zu überprüfen, unseren Einsatz und unser Engagement für eine Sache zu beurteilen und uns leiten zu lassen. Eine Hingabe ans eigene Resonanzvermögen ermöglicht uns innere Führung, Flowerfahrung und die Wahrnehmung von Kohärenz, Stimmigkeit und Wahrhaftigkeit. Resonanz führt uns zu unseren eigenen inneren Themen und zu unseren tatsächlichen Potentialen. Resonanz zu ignorieren, erzeugt dagegen Depression, Frustration, ein Gefühl des Am-falschen-Ort-seins, Inkohärenz und Beziehungslosigkeit.

Wir brauchen Resonanz, um in einen intensiven Prozess einsteigen zu können und um uns mit einem Feld in Beziehung setzen zu können. Ohne Resonanz gibt es keine Immergenz, also kein Eintauchen in, und Verbinden mit einem Feld der Auseinandersetzung. Genau diese Immergenz ist aber eine Grundbedingung für lebendige, generative Prozesse, in denen wir positive Veränderungen bewirken können. Ohne diese tiefe Auseinandersetzung, die Immergenz, bleiben alle Veränderungen oberflächlich, trivial und egozentrisch. In Veränderungen, die ohne Beziehung zum Feld erzwungen werden, liegt das eigentliche Grundproblem der Fehlentwicklungen, die wir überall wahrnehmen. Resonanz dagegen führt uns direkt in die Beziehung zum Feld und ist somit auch ein Indikator dafür, in welche Prozesse wir uns einbringen und von welchen Prozessen wir uns fernhalten sollten. Resonanz ist wie ein Leitstrahl, der uns zu den Orten, Menschen und Themen führt, an denen wir gleichzeitig wachsen und positiv wirken können. Resonanz ist immer wechselseitig: die Resonanz, die wir zu einem Feld erfahren, erfährt das Feld auch zu uns. Das Feld erzeugt über die Resonanz einen Sog, weil es genau unsere Transformationspotentiale benötigt. Resonanz ist damit auch immer ein Einstieg in die eigenen Lern- und Wachstumsprozessse, die in enger Verbundenheit zu denen des Feldes stehen.

Resonanz kennen wir alle, wir haben uns jedoch unzählige Gründe zurecht gelegt, um der Resonanz nicht zu folgen: persönliche, gesellschaftliche, ideologische Gründe hindern uns daran, der Resonanz den Raum zu geben, der ihr zusteht. Folgen wir aber nicht der Resonanz, so beschneiden wir uns der Potentiale, die uns eigentlich zu Erfolg und Erfüllung führen könnten. Doch die Angst vor den starken Prozessen, die unweigerlich in Gang geraten, wenn wir der Resonanz folgen, ist ein Grund, um genau davor zurückzuscheuen. Denn der Resonanz nachzugehen, heißt unweigerlich sich mit den eigenen Themen zu konfrontieren, was immer intensiv, oft sogar schmerzhaft sein kann. Doch gerade dieser Schmerz ist es, der uns in besonders schwierigen und intensiven Auseinandersetzungen durch das Nadelöhr eines Prozesses quetscht, durch die innere Spule des Feldes, in der der Druck am höchsten, die Energie am dichtesten und der Kraftimpuls am stärksten ist.

Die Angst vor diesen Prozessen sollte uns aber gerade nicht vor ihnen zurückschrecken lassen. Zum einen ist die Betäubung, in die wir uns rangieren, wenn wir die Resonanz ignorieren, schlimmer als der Schmerz des Prozesses. Zum anderen können wir der Resonanz mit gelassenem Vertrauen entgegentreten. Sie führt uns zwar in tiefe Auseinandersetzungsprozesse, ist aber gleichzeitig der Garant dafür, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und mit genau den Prozessen konfrontiert zu werden, für die wir das Potential mitbringen, um sie gewinnbringend zu bestehen. Sind diese Prozesse bestanden, öffnen sich neue Chancen und Optionen, alte Themen und Probleme sind überwunden.

Transformierende

Stehen wir in Resonanz mit einem Feld entsteht ein fließender Übergang vom Resonierenden zum Transformierenden. Die Resonanz hat uns in Beziehung gesetzt und uns ins Feld eintauchen lassen. Dadurch werden wir selbst zu einer aktiven Kraft im Feld, die durch die anderen Feldkräfte betroffen wird und die auf die anderen Feldkräfte wirkt. Nur in dieser Konstellation können wir zum Transformierenden werden und die Feldkräfte, mit denen wir nun in einem reziproken Austausch stehen, körperlich, emotional, geistig und spirituell verstoffwechseln. Stehen wir dabei in einer positiven Konfiguration zu anderen Transformatoren im Feld, kann diese Arbeit kollektive Intelligenz und kollektives Bewusstsein erzeugen. Alle prozessaktiven Partizipateur*innen erzeugen eine Dynamik, die zur Transformation bestehender Kräfte führt. Dabei transformieren sich auch die Transformierenden selbst und erfahren eine Neukonfiguration. Im Kern der Transformationen stehen Krisen und Entscheidungssituationen, die das Feld zur Neukonfiguration bewegen.

Was während dieser Transformationen mit den Kräften genau geschieht, ist schwer zu sagen. Für die Menschen, die als Transformierende wirken, fühlt es sich wie ein Umbauprozess im Gehirn oder in den Zellen an. Nicht selten entstehen Fiebersymptome. Manchmal scheint es, als verdaue der Körper ein schweres Essen. Man merkt, dass der Körper hart arbeitet, obwohl man energielos im Bett liegt, man fühlt sich schlapp und matt und trotzdem scheint man hart zu arbeiten. Depressionen und Traurigkeit können einen ebenso erfassen wie Euphorie und Tatendrang. Das Wirken als Transformierender scheint kein steuerbarer und bewusster Vorgang zu sein. Man kann ihn durch das eigene Verhalten unterstützen, in dem man sich zum Beispiel nicht mit anderen Dingen ablenkt oder fordert. Ruhe, gute Ernährung, ein sicherer Ort und Rückzug sind sicherlich förderlich. Es gibt auch Prozesse, in denen die Transformation fast gewalttätig mit einem großen Knall passiert oder von frenetischer Aktivität begleitet ist.

Kokreierende

Aktivität und Tatendrang sind meist schon fließende Übergänge in die Rolle des Kokreierenden. In unseren Gestaltungsprozessen erleben wir es, dass Menschen, nachdem die engste Stelle im Prozess überschritten wurde, aufspringen und wie unter einem „zwanglosen Zwang“ beginnen, ihre Ideen, Lösungen und Vorstellungen in die Tat umzusetzen. Sie suchen nach Stiften, Werkzeugen oder greifen zum Laptop, um zu schreiben, zu zeichnen, zu entwerfen, zu planen, zu bauen. Sie beginnen zu lachen und angeregt miteinander über ihre Ideen zu kommunizieren. Sie sind getrieben von Begeisterung und Enthusiasmus. Enthusiasmus kommt von in-theos, in Gott sein. Begeisterung ist die Be-Geisterung, die Berührung durch den Geist. Als Kokreierende sind wir Teil der Schöpfung im Vollzug. Unsere Ideen und Lösungen sind keine auf Einzelinteressen, Macht und Ego basierenden Übergriffe auf unsere äußeren Umwelten, sondern Ausdruck des Feldes selbst, Entwicklungen der Potenziale im Feld und damit auch unserer eigener Potentiale. Da, wo wir tief eingetaucht sind, können wir nun auftauchen. Dieses Auftauchen bringt neue Ideen, Gedanken, Potentiale und Optionen ans Tageslicht. Hier entsteht das Neue, das vor der Transformation noch nicht in dieser Form denkbar war. Die Emergenz des Neuen, von tatsächlichen Innovationen ist jetzt nicht nur möglich, sondern eine logische Konsequenz, die nicht mehr aufzuhalten ist. Als Kokreierende erleben wir die wunderbare Erfahrung, aus freiem Willen zu handeln und gleichzeitig in Kongruenz mit einer transpersonalen Ebene zu sein.

Kultivierende

Ist das Neue in der Welt, kommt die heiße Phase des Prozesses langsam zum Ende. Nun kommt die Zeit der konkreten Umsetzung und darauf folgend die der Hege und Pflege, des Aufziehens und Aufpeppelns, des behutsamen Optimierens und Justierens, des Lebens und Feierns des Erreichten, des Integrierens in den Alltag und der Nutzbarmachung für Viele. Nun sind wir Kultivierende, die das Erreichte verankern, mit Leben füllen, ihm Bedeutung und Sinn im täglichen Vollzug verschaffen. Diese Phase ist durch Gleichmäßigkeit, Konstanz und Kontinuität geprägt.

Dies ist meist solange der Fall, bis äußere und innere Kräfte das Feld verschoben haben und die vormals passenden Lösungen nicht mehr passen, die Gedanken und Theorien die Realität nicht mehr beschreiben, die Kultivierung ehemals sinnvoller Tätigkeiten keinen Sinn mehr erzeugen kann und leer und hohl wirken, bis es Widerstand und Blockaden gibt. An diesem Punkt wird es spätestens wieder Zeit sich mit den veränderten Kräften und dem veränderten Feld in Resonanz zu bringen und uns auf neue Transformationen zuzubewegen.

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