Prozesstraining: Kultivierung

Mit Jascha Rohr
Donnerstag-Freitag, 21.-22. Juni 2018, ganztägig

Moltkestrasse 6a, 26122 Oldenburg
Anmeldung notwendig, 350 € (Ermäßigt für Studierende: 300 €)

Ihre Teilnahme kann im Sinne einer Weiterbildung finanziell unterstützt werden: Unsere Ausbildung entspricht den inhaltlichen und qualitativen Vorgaben der Bildungsprämie und des Hamburger Weiterbildungsbonus. Ebenfalls werden Weiterbildungsmaßnahmen von Beschäftigten niedersächsischer Unternehmen durch das Land Niedersachsen (Weiterbildung in Niedersachsen (WiN)) gefördert.


Prozesstraining: Mit Kultivierung den Erfolg sozialer Projekte sichern

Eine Kultur zeichnet sich dadurch aus, dass sie aus bestimmten Mustern, Ritualen, Abläufen und Konventionen besteht, die allen Mitgliedern dieser Kultur bekannt sind und durch deren Ausübung die Kultur immer wieder stabilisiert und erlebbar wird. Dabei ist es egal, ob es sich um eine Organisationskultur, die Kultur einer Familie, eines Projektteams oder einer ganzen Gesellschaft handelt. Kultur ist wie ein sozialer Code, der sich immer wieder vererben, dabei aber auch evolutionär verändern kann. Kultivierung heißt dementsprechend die soziale Praxis einer Kultur zu etablieren und dauerhaft zu ermöglichen. Kultivierung geht somit weiter als die bloße Umsetzung oder Implementierung einer Idee, eines Projekts oder eines Produkts. Kultivierung schließt die Nutzungen, Mindsets und Haltungen ein, mit denen wir unsere Ideen, Projekte und Produkte in unsere jeweilige Kultur einbinden und uns zu eigen machen. Durch Kultivierung erzeugen wir neue Bedeutungsmuster im Alltag derer, für die wir Lösungen entwickeln.

Als Social Designer*innen, Projekt- und Produktentwickler*innen und Entrepreneur*innen, die sich mit sozialen Themen beschäftigen, ist die Kultivierung der Dreh- und Angelpunkt, der über Erfolg und Misserfolg unserer Entwürfe entscheidet. Denn wenn es uns nicht gelingt, den späteren Nutzer*innen zu helfen unsere Konzepte in ihre täglichen Routinen und die Kultur ihrer jeweiligen Gruppen zu integrieren, können unsere Konzepte keine nachhaltige Wirkung entfalten.

In diesem Seminar erarbeiten wir uns Methoden und Strategien, um die Kultivierung unserer Projekte zu ermöglichen. Wir gucken, was während und nach dem Entwurf unserer Projekte nötig ist, damit unsere Lösungen Fuß fassen können. Wir gewinnen ein Verständnis davon, was notwendig ist, um unsere Projekte nicht nur umzusetzen und zu implementieren sondern dauerhaft zu verstetigen und zu kultivieren.

Hintergrund: Herausforderungen durch komplexe Aufgaben

Gestaltungsaufgaben und Beteiligungsvorhaben sind komplex. Beteiligungs- bzw. Gestaltungsprozesse können vielfältig ablaufen und Verfahren vielseitig gestaltet werden. Aus unserer Erfahrung wissen wir: (Öffentlichkeits-)Beteiligung und Gestaltungsprozesse werden vielfach funktional und instrumentell gedacht und eingesetzt. Prozesse können ihre Dynamik nicht frei entfalten, sie werden vielmehr durch starre Verfahren kontrolliert und gemanagt. Wie aber kann es gelingen, dass Beteiligung (oder in unserem Sinne treffender Teilhabe) sich wirksam entfaltet?

Um dieser Frage näherzukommen, widmen wir die kommenden Veranstaltungen deshalb dem IPG Arbeitsverständnis: den vier Phasen unseres Feld-Prozess-Modells. Wie arbeiten intensiv zu den Themen Resonanz (Immergenz), Transformation (Krise), Kokreation (Emergenz) und Kultivierung (Implementierung). Bei der terminlichen Ausgestaltung haben wir uns an den Jahreszeiten orientiert. Im Sommer, der Zeit der Fülle und des Wachsens, beschäftigen wir uns deshalb innerhalb des Kolloquiums und anschließendem Prozesstrainings mit dem Thema Implementierung. Die Veranstaltungen können als aufeinander aufbauende Reihe oder auch als in sich geschlossene Einzelveranstaltungen besucht werden.

Unser Ansatz: Partizipative Gestaltung,
generative Prozesse und Feld-Prozess-Modell

Eine gelungene Gestaltung resultiert vor allem aus einer Haltung der Akteure gegenüber der Gestaltungsarbeit: Gestaltung kann rein funktional oder instrumentell gedacht werden. Gestalter*innen können sich aber auch in den Kontext des zu Gestaltenden begeben und aus dem Verständnis dieses Kontextes heraus agieren. Eine solche Haltung nennen wir partizipativ. Partizipative Gestaltung geht davon aus, dass Gestaltung immer in einem Kontext entsteht, in dem nicht ein allmächtiges distanziertes Subjekt den Objekten seinen Willen aufzwängt, sondern indem Partizipateure Bindungen miteinander eingehen, die zu einer neuen Gestaltung führen. Sie wird damit zu einem kokreativen Prozess, der in seiner Lebendigkeit als bereichernd erfahren wird und dessen Ergebnisse ebenfalls zur Entfaltung von lebendigen Strukturen beitragen.

Wir nennen diese Prozesse generative Prozesse, da sie eine eigene Generativität und Lebendigkeit besitzen. Ziel unserer Arbeit ist es, generative Prozesse zu erzeugen: Prozesse die aus einer eigenen Lebendigkeit heraus zu ebenso lebendigen Resultaten führen. Diese Prozesse sind jeder für sich neu und herausfordernd. Demgegenüber werden wir häufig mit einem funktionalen Prozessverständnis konfrontiert, nach dem Prozesse als vorher definierte Abfolgen kausal zwingender Schritte konzeptioniert werden.

Den theoretischen Rahmen zur Beschreibung der dynamischen Kräfte, die innerhalb dieser Prozesse wirken, bildet das von uns entwickelte Feld-Prozess-Modell. Eine intensive Auseinandersetzung mit den einzelnen Stufen des Feld-Prozess-Modells gibt den Teilnehmenden ein Werkzeug in die Hand, Qualitäten, Potentiale und Muster generativer Prozesse wahrzunehmen und mit ihnen konstruktiv (mit ihrer Dynamik und nicht gegen sie) zu arbeiten.

Zielgruppe

Unsere Seminare sind konzipiert für alle Menschen, die Gruppen- und Gestaltungsprozesse begleiten und dabei nicht an der Oberfläche bleiben, sondern die diesen Prozessen zugrunde liegenden Dynamiken verstehen wollen. Das können Führungskräfte, Teamleiter*innen, Lehrer*innen, Kommunalvertreter*innen, Prozess- und Projektbegleiter*innen sein. Aber auch Moderator*innen, die mit intensiven Gruppenprozessen konfrontiert sind oder Designer*innen, Architekt*innen und Planer*innen, die ihre Entwürfe partizipativ entwickeln (wollen).

 

Anmeldung an

ausbildung [at] partizipativ-gestalten [dot] de oder unter +49-441-998489-50

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