Mental Mapping – Landkarten in unserem Kopf

Orte erzählen Geschichten: sie ziehen uns an oder stoßen uns ab, sie schaffen Identität. Mental Maps können uns dabei helfen, herauszufinden, wie sie im emotionalen Bewusstsein verankert sind. Mental Maps oder auch kognitive Karten sind subjektive Vorstellungsbilder, die Menschen von Plätzen oder Räumen besitzen. Sie werden durch das Zeichnen von Orten, so wie sie erinnert werden, sichtbar.

Mental Maps als Gedächtniskarten

In unseren Projekten arbeiten wir mit verschiedenen Formen von Mental Maps. Geht es z.B. um die Neuplanung eines Parks oder Platzes, so helfen Gedächtniskarten sichtbar zu machen, wie der Ort erinnert wird und welche wichtigen Landmarken ihn derzeitig ausmachen. Landmarken sind Elemente, die häufig erinnert werden und daher in vielen Zeichnungen auftauchen. Ein gemeinsamer Beobachtungsgang im Nachgang zum Mental Mapping ist oft ein wichtiges Schlüsselerlebnis. Das genauere Hinschauen und der bewusste Vergleich mit der eigenen Erinnerung macht deutlich, dass es Unterschiede zwischen dem Ort und unserer Erinnerungen an ihn gibt. Das ist eine wichtige Erkenntnis und Voraussetzung, um gemeinsam zu einer neuen, gelungenen Gestaltungslösung zu finden – denn diese muss sich stimmig zum Ort und nicht zu unserer Erinnerung an ihn entfalten können.

Mental Maps zur Sichtbarmachung von Erinnerungen oder Mustern

Ist die räumliche Ausdehnung eines Projektes zu groß, überschreitet das Vorstellungsvermögen oder Akteure kennen den Ort nicht, so arbeiten wir mit archetypischen Mustern oder mit Erinnerungen. In der Werkstattarbeit zum Parkfriedhof Ohlsdorf, der mit seiner Größe von nahezu 400ha nicht als Gedächtnisplan zu fassen ist, haben wir z.B. nach der stärksten Erinnerung gefragt, die mit dem Parkfriedhof oder einem anderen Friedhof verbunden wird und diese zeichnen und verorten lassen. Die Erlebnisse und Erzählungen, die dann geteilt werden und die gemeinsame Werkstattarbeit einleiten, sind berührend und öffnen für neue Perspektiven und kreative Arbeit.

Mental Maps und Vektorarbeit

Sehr spannend und unerforscht ist die Verbindung von Mental Mapping und Vektorarbeit, ein Ansatz aus der prozessorientierten Psychologie. Diese Form bietet sich bei Projekten an, wo Raumqualität und Persönlichkeitsarbeit gemeinsam gedacht werden können. Hier ist Arbeit über Vektoren eine spannende Variante, um auf beiden Ebenen gleichzeitig zu Einsichten zu gelangen.

Mental Mapping zum Sammeln von vorhandenen Ideen

Eine weitere Variante ist das Sammeln von Eindrücken und Ideen durch das Streuen von Karten im öffentlichen Raum. In vielen Projekten gestalten und verteilen wir Ideenkarten. Hier ist der neu zu gestaltende Raum als Karte angedeutet. Jede*r kann Hinweise oder Ideen aufzeichnen, verorten und beschreiben. Wir sammeln die Karten, werten sie aus und arbeiten aufbauend auf dieser ersten Ideensammlung mit allen Akteuren weiter an der Gestaltung. Wichtig ist hierbei, das Ideen sammeln nicht mit der gemeinsamen Entwicklung von Gestaltungslösungen zu verwechseln. Das Sammeln ist eine erste Bestandsaufnahme, jedoch kein Entwurf.

Rückschlüsse

Zusammenfassend könne wir sagen, dass Mental Mapping eine prima Methode für die partizipative räumliche Planung ist, besonders auf der Ebene von lokalen Einheiten wie z.B. Quartieren oder Dörfern. Mental Maps bieten einen sinnlichen Zugang, um in einen Austausch auf Augenhöhe zu treten und öffnen emotional für die kreative Arbeit des Entwerfens. Mental Maps helfen Planer*innen herauszufinden, wie ein Ort und seine Themen in den Köpfen von Akteure verankert ist und Laien, die erste Scheu vor dem Zeichnen abzulegen. Leider werden Mental Maps bisher wenig in der Planung verwendet. Auch die Arbeit an einer Vergleichbarkeit der Analyse von Mental Maps ist wichtig, um langfristig zu gut nutzbaren Ergebnisse zu kommen ….

Wir sind dran am Thema – macht auch mit … denn wie schon Hermann Melville in Mobby Dick bemerkt: „Sie [die gesuchte Insel] ist auf keiner Landkarte verzeichnet. Die wahren Orte findet man dort nie.“ 
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