Schulentwicklung: Frankfurt macht Schule

Schulentwicklungsplanung in Frankfurt am Main

Der erste partizipative Schulentwicklungsplan ist ohne Auflagen genehmigt. In Frankfurt können nun dringend benötigte neue Schulen gebaut und Bildungsquartiere entwickelt werden.

Ein Jahr lang haben wir mit der fünftgrößten Stadt Deutschlands, Frankfurt am Main, einen Schulentwicklungsplan gestaltet. In der Ausschreibung wurde ausdrücklich ein breit angelegtes öffentliches Beteiligungsverfahren gewünscht, für das wir ein innovatives Konzept – die Stadtwerkstatt – entwickelten. Fokus der neuartigen Schulentwicklungsplanung war neben dem Ziel, ausreichend Schulplätze für die Kinder von mittlerweile über 700.000 Frankfurter Einwohner*innen zu schaffen, die UN-Behindertenrechtskonvention, Artikel 24 zügig und erfolgreich umzusetzen. Unsere inklusive Herangehensweise der Einbindung ALLER Partizipateur*innen im Feld wurde ausdrücklich befürwortet und gewünscht. So arbeiteten wir mit Akteur*innen der Stadt und des Landes Hessen gemeinsam:

  • mit Eltern und Schüler*innen,
  • Politik und Verwaltung,
  • Gremien wie dem Stadtelternbeirat und der Stadtschülervertretung,
  • Vereinen, Verbänden und Initiativen,
  • dem Jugend- und Sozialamt,
  • den regionalen Beratungs- und Förderzentren,
  • Vertreter*innen der Schulformen,
  • Lehrer*innen und Schulleitungen

In über zwanzig auf das Jahr 2014 verteilten Veranstaltungen wurden Maßnahmenvorschläge und Entwicklungsthemen für die über 150 Schulen in städtischer Trägerschaft entwickelt.

Die Themen, die uns während des Jahres beschäftigt haben, sind jedes für sich bereits einen eigenen Prozess wert:

  • Eine hochkomplexe Datenlage zu verstehen, aufzuarbeiten und der Öffentlichkeit transparent und verstehbar zugänglich zu machen.
  • Ganztägige Betreuung, nicht nur für Grundschulen, im Einklang mit den Akteur*innen vor Ort zu organisieren.
  • Bildung, Erziehung und Betreuung zusammen zu denken.
  • Inklusion nicht nur als „Einbindung von Menschen mit Behinderungen“ zu denken, sondern zu verstehen und auch umzusetzen, dass Inklusion uns alle persönlich betrifft, als erweiterter Begriff gedacht und gelebt werden will. Hierfür die notwendigen strukturellen Veränderungen auf allen Ebenen in die Wege zu leiten.
  • Das immense, sämtliche Prognosen der letzten Jahre übertreffende Wachstum der Stadt in Bezug auf gute inklusive Bildungsheimat gebende und in Zukunft vorzuhaltende Schulplätze für Alle zu gestalten.
  • Das große Misstrauen im Thema Bildung und Schule, das öffentlicher Verwaltung und Politik entgegengebracht wird, in konstruktive Zusammenarbeit umzuwandeln, die Ergebnisse liefert, die den Kindern zu Gute kommen.
  • Die Komplexität der gesamten Thematik auf eine Art und Weise zu strukturieren, dass zufriedene, motivierte Akteur*innen zukunftsweisende Konzepte und Lösungen für die drängenden schulentwicklungsbezogenen Fragen in Frankfurt entwickeln.

Auch wenn die BILD-Zeitung zu Beginn schrieb, wir machten „betreutes Diskutieren“ – wir können mit Fug und Recht behaupten, gemeinsam mit den Akteur*innen in Frankfurt am Main Großes geleistet zu haben. Es ist ein neues Organisationsmodell für die Frankfurter Bildungslandschaft entstanden, welches Lebendigkeit, Selbstorganisation und Flexibilität atmet. Leit- und Gestaltungsprinzipien, an denen sich die jetzt entwickelten und alle zukünftigen Maßnahmen ausrichten werden, wurden „nebenbei“ formuliert und stehen nun noch vor den Maßnahmen im Entwurf des neuen Schulentwicklungsplans. Multiprofessionelles Arbeiten mit allen Akteur*innen in den Veranstaltungen führte zu einem tiefen Verständnis, gegenseitiger Achtung und Wertschätzung und dem Wunsch, weiterhin auf diese Art und Weise zusammenzuarbeiten – ganz abgesehen von zukunftsweisenden Maßnahmenvorschlägen, die von Menschen aus der Praxis entwickelt wurden, von der Verwaltung getragen und mitgestaltet werden und von der Politik durchgesetzt werden wollen.

Der auf den Ergebnissen des Beteiligungsprozesses beruhende, vom Stadtschulamt, dem Dezernat für Bildung und Frauen und dem IPG geschriebene Entwurf des Schulentwicklungsplans ist vom Hessischen Kultusministerium ohne Auflagen genehmigt worden: ein Novum seit 40 Jahren und ein Beweis dafür, dass partizipatives Gestalten die Intelligenz Aller produktiv nutzen kann.

„Frankfurt macht Schule“ https://frankfurt-macht-schule.de/

Die Frankfurter Rundschau über die Genehmigung des SEP

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