Entwurfsorientierte Partizipation

Entwurfsorientierte Partizipation ist eine Form der kokreativen Zusammenarbeit, die sich aus dem Methodenkoffer der räumlichen Entwurfsplanung bedient. Gemeinsame Recherchen und Analysen, Begehungen und Interviews, intellektuelle und künstlerische Auseinandersetzung, zeichnen und entwerfen, Modelle und Prototypen bauen, das sind nur einige zu nennende Möglichkeiten. Viele kommunale Projekte, Strategien und Konzepte sind sehr vielschichtig. Es braucht ein gemeinsames Konzept oder einen stimmigen Plan, damit eine langfristige Umsetzung gelingen kann. 

Das Mittel macht den Unterschied – Arbeiten mit professionellen Methoden

Professionelle Planer*innen haben über einen langen Zeitraum Werkzeuge und Techniken entwickelt, mit denen sie auf komplexe Fragestellungen sinnvolle Antworten finden können. Sie nähern sich einer neuen Aufgabe, indem sie den Kontext der Aufgabe methodisch erforschen, ihn durch Analysen, Skizzen und Konzeptarbeit besser verstehen lernen, eine grundlegende Idee entwickeln und darauf basierend ein oder mehrere mögliche Lösungsszenarien entwerfen. Um all das zu tun, haben sie über einen langen Zeitraum vielfältige kreative Techniken entwickelt, auf die Planer*innen dazu zurückgreifen. Auf die gleiche vielfältige, kreative und methodisch professionelle Art und Weise nähern sich Gruppen in der Entwurfsorientierten Partizipation einer planerischen Aufgabe. Dadurch lernen sie, die Herausforderungen besser zu verstehen, können von vorab gefassten Meinungen loslassen, eine Ahnung von der Komplexität der Aufgabe erhalten und gemeinsam zu neuen Ideen gelangen.

Die drei Co-s der Zusammenarbeit

Entwurfsorientierte Partizipation fußt dabei in drei Grundprinzipien: zusammen arbeiten (Collaboration), zusammen gestalten (Cocreation) und zusammen sein (Community). Entwurfsorientiert zusammen zu arbeiten schafft einen Raum, indem Bürger*innen, Politiker*innen sowie Mitarbeiter*innen aus der Verwaltung und aus Institutionen wertschätzend, auf Augenhöhe, transparent und effektiv miteinander kommunizieren und arbeiten können (Collaboration). Da weniger debattiert wird, bleibt mehr Zeit, um von Gemeinsamkeiten getragene Lösungen durch gestalterische Arbeit zu entwickeln (Cocreation). Die Community, also die Kommune, ist das Gemeinsame: die gemeinsame Arbeit hat auch das Ziel, den Sinn für die Gemeinschaft aller, die an einem Ort wohnen, arbeiten oder ihn besuchen, zu fördern. Um gemeinsam etwas planen zu können, was über das Einsammeln von vorhandenen Wünschen oder Interessen hinausgeht, bedarf es der Nutzung professioneller Methoden des Entwurfes.

Aller Anfang ist schwer

Einen Planungsprozess auf diese Art und Weise anzugehen, ist eine neue Kulturtechnik, die wir miteinander üben müssen. Die Öffnung von Planungsprozessen ist ein langwieriger Prozess. Lang eingespielte Routinen und Arbeitsabläufe müssen reflektiert und angepasst, Rollenzuschreibungen und -bilder auf allen Seiten neu justiert werden. Das passiert nicht von heute auf morgen. Es erfordert Mut und den Willen dazu, nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch innerhalb den Verwaltungen und von Seiten der Öffentlichkeit. 

In unserer praktischen Arbeit erleben wir immer wieder, dass der Austausch und das Zusammensein unterschiedlicher Akteure zunächst viele Vorbehalte mit sich bringt, diese aber überwunden werden können. Durch die gemeinsame Arbeit an konkreten Fragestellungen des Alltags entfalten sich fruchtbare Beziehungen, die Verständnis und Respekt für einander wachsen lassen. Das ist zunächst tatsächlich viel Arbeit, entlastet aber Arbeitsabläufe an anderen Stellen und bringt Vorschläge zur Lösung komplexer Fragestellungen mit sich, die vorher so noch nicht gedacht wurden.

Zudem lässt sich durch das konkret Erlebte ein Wandel in der Verwaltungskultur und in der sich beteiligenden Bürgerschaft erkennen. Jeder gelungene Austausch prägt die weitere Zusammenarbeit. Die positiven Erfahrungen während der gemeinsamen Arbeit schaffen Vertrauen und Offenheit für weitere Beteiligung.

Auch professionelle Planer*innen tun sich oft nicht leicht mit Entwurfsorientierter Partizipation. Die Angst vor Rollenverlust ist aber unbegründet, denn ihre Kompetenzen sind dringend notwendig. Planer*innen bringen ihre Expertise ein und erarbeiten auf der Grundlage der Ergebnisse einen professionellen Entwurf. Durch den Einsatz von Plänen und gestalterischen Methoden während der Beteiligung können sie sich jedoch darauf verlassen, dass ihre Ideen sich vertiefen und besser verstanden werden. Darüber hinaus macht das kreative Arbeiten allen Beteiligten viel mehr Spaß, ist weniger nervenaufreibend und viele vermeintliche Konfliktlinien, die in der Diskussion noch vorhanden waren, sind auf dem Plan gar nicht oder nicht mehr vorhanden. Gemeinsame Planarbeit und die Nutzung kreativer Werkzeuge ist also ein hervorragendes Mittel der Verständigung – denn ein gemeinsames Bild sagt mehr als tausend Worte.

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