Dorothea Vogelgsang

Politikwissenschaftlerin (M.A.)

ERSTMAL MACHEN, LET’S GO!

Dorothea Vogelgsang: die Anpackerin

Wenn man etwas bewegen will, dann geht man in die Politik und vertraut auf die solide Mechanik der öffentlichen Verwaltung. Oder man probiert diese Dinge aus und stellt fest, dass ihr Tempo nicht recht zur eigenen Geschwindigkeit passen will. Dass man die Veränderung selbst kreieren möchte, anstatt sie nur anzustoßen. So war es bei Dorothea. Und so kam die 29-jährige Kulturwissenschaftlerin zum IPG.

Die Schnittstelle war die Stadtwerkstatt Berliner Mitte. Dorothea nahm daran zunächst als studentische Hilfskraft der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen teil. Für das IPG war Dorothea eine kompetente und hoch engagierte Ansprechpartnerin. Das passte so gut zusammen, dass Geschäftsführerin Sonja Hörster sie eines Tages geraderaus fragte, ob sie nicht „die Seiten wechseln” wolle. Und sie wollte.

Heißblut und Weißglut

Für das IPG übernahm die gebürtige Berlinerin die Projektmitarbeit bei der Stadtwerkstatt. Sie war verantwortlich für die Konzeption von Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit, Absprachen mit dem Auftraggeber und natürlich das Gespräch mit den Bürger*innen. Das entsprach ihrer Vorstellung von einer sinnstiftenden Tätigkeit. Partizipation und Teilhabe in jeglicher Form sind für Dorothea zentral: “Es geht um das Ohrenöffnen und aktive Zuhören”, erklärt sie. “Dadurch sehen wir die Menschen mit ihren Geschichten, Erlebnissen, Wünschen und Ängsten.” Zudem entsprach die Arbeitsweise des IPG ihrem Temperament. Nach Studium und Senatsverwaltung tat die Devise “Erstmal machen, let’s go” sehr gut.

Doch wie kam es zu Dorotheas Überzeugungen? Ein Faktor ist die Geschichte ihrer Eltern: Durch deren Erfahrungen in der DDR hat sie sich bereits als Jugendliche Gedanken gemacht, was Demokratie und demokratisches Leben wirklich bedeuten. Das schlug sich schon in der Schule nieder: “Mit meinem Hitzkopf habe ich manche Lehrer zur Weißglut getrieben”, schmunzelt sie heute. Auch ihr weiterer Bildungsweg spiegelt ihr Interesse an Gesellschaftssystemen wider: Nach dem Abitur in Stockholm folgten der Bachelor in Kulturwissenschaften und der Master in European Studies. Dabei stieß sie auf ein Thema, das sie sofort fesselte: Partizipative Demokratietheorie. Folgerichtig lautete das Thema ihrer Abschlussarbeit “Leitlinien der Bürger*innenbeteiligung”.

Ein weiteres Schlüsselerlebnis ließ die praktische Umsetzung der Theorien in den Fokus rücken: die Geburt ihres ersten Sohnes Moritz. “Mir wurde klar, dass Worte alleine nicht reichen, um die Umwelt für ihn und sein Leben in der Zukunft zu erhalten. Ich muss mit anpacken!“ Das tut sie nun für das IPG. Auf die Stadtwerkstatt folgte gleich das nächste Großprojekt: “Bürgerrat – Deutschlands Rolle in der Welt”. Für den Deutschen Bundestag führt sie hierzu eine bundesweite Bürgerbeteiligung durch. Sie ist u.a. verantwortlich für Konzeptentwicklung, Moderation und die technische Ausgestaltung. Trotz des digitalen Formats spürt sie wieder das, was diese Prozesse ausmacht: die Inspiration durch die gemeinsame Gestaltung.

Die Lego-Methode

Und wie findet Dorothea einen Ausgleich zu alldem? Mit dem Namen Vogelgsang muss man ja fast schon eine Vorliebe für das Singen entwickeln. “Genauso ist es”, lacht sie. “Seit ich denken kann, habe ich in Chören gesungen.” Wichtig ist ihr aber auch die Familienzeit mit den beiden Kindern: “Am Wochenende entwerfen wir Lego-Landschaften. Das ist auch so eine Art Stadtwerkstatt.”

Noch steht Dorothea am Anfang ihres Weges als Kokreatorin. Aber sie freut sich schon auf jeden weiteren Schritt: “Früher dachte ich immer, ich muss schon alles wissen und können. Dann wurde mir klar, wie wertvoll es ist, dass die Menschen verschieden sind.” Es gibt noch viel zu lernen, zu verändern, zu gestalten. Also: Packen wir’s an, let’s go.

tel: +49 (0)441 99 84 89 50

mail: d [dot] vogelgsang [at] partizipativ-gestalten [dot] de

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