Das Wald-Kommune Modell

Der Wald als Modell für nachhaltige und
 lebendige Kommunen

Von Jascha Rohr (10/2016)

Der folgende Text und die Graphik sind eine Ausarbeitung und Weiterentwicklung der Ergebnisse eine Arbeitsgruppe „kommunale Infrastruktur“ der Gartower Oktobergespräche 2013. Der Artikel wurde in der Tagungsdokumentation zu den Gartower Oktobergesprächen 2013 veröffentlicht.

Modell Wald?

Wenn die Frage gestellt ist, was die Gesellschaft vom Wald lernen kann und dieses Wissen auf kommunale Infrastruktur übertragen werden soll, dann liegt es auf der Hand, die Analogie zwischen Wald und Kommune in aller Konsequenz zu denken.
waldkommune

Die Gartower Oktobergespräche  boten dazu die Gelegenheit: durch die Erläuterungen des Forstingenieurs Ulrich von Mirbach aus den Gräflich Bernstorff’schen Betrieben wurden die Teilnehmenden vom Ökosystem Wald nicht nur inspiriert, sondern erfuhren die Zusammenhänge zwischen dem Wald als lebendigem Ökosystem und der naturnahen Bewirtschaftung, die dazu beitragen kann, genau diese Ökosysteme entstehen zu lassen. Deutlich wurde dabei vor allem: der nachhaltige und gesunde Wald ist kein statischer Zustand auf einem gegebenen Standort, sondern vielmehr ein dynamischer, generativer Prozess, der in enger gegenseitiger Wechselwirkung mit dem Standort und der Form der Bewirtschaftung steht.

Die Übertragung der Einsichten aus der Forstwirtschaft auf die Infrastruktur von Kommunen, die während der Gespräche in einer Arbeitsgruppe versucht wurde, führt zu einem Modell: wir behaupten nicht, dass Kommunen wie ein Wald strukturiert sind, noch, dass sie so strukturiert sein müssen. Aus dem Modell leitet sich kein normativer Anspruch ab. Gleichwohl lassen sich aus dem Modell aber Fragen und Antworten generieren, als auch Methoden und Handlungsanweisungen, die dann, jeweils angepasst an das neue Feld der kommunalen Infrastruktur erprobt werden können. Die Vermutung liegt nahe, und davon ließ sich die Gruppe in ihrer Modellbildung leiten, dass das Ökosystem nachhaltiger Wald in der Tat das Potential dazu hat, mehr als nur eine Metapher zu sein. Denn Wälder und Kommunen weisen per se eine Reihe von Strukturgleichheiten auf:

  • Sie sind auf einen Standort und damit auf bestimmte Grundkonditionen fixiert. Weder Wälder noch Kommunen können wandern. Sie müssen sich aus dem entwickeln, was Ihnen der Standort bietet.
  • Sie müssen komplexe Versorgungsaufgaben übernehmen: sowohl in Wäldern als auch in Kommunen gilt es für alle Partizipateure bestimmte direkte und indirekte Versorgungsleistungen zu erbringen.
  • Wälder als auch Kommunen sind abhängig von äußeren Konditionen: z.B. Klima / Politik sind Faktoren, die das Leben eines Waldes / einer Kommune massiv beeinflussen, aber nicht in der gleichen Wirkmächtigkeit lokal aus dem Wald / der Kommune rückbeeinflusst werden können.
  • Der naturnah bewirtschaftete Wald steht ebenso wie Kommunen unter dem zentralen Einfluss menschlichen Handelns und Planens. Forstwirtschaft verstanden als „Nachhaltigkeitsmanagement“, praktiziert seit Carlowitz kann sicherlich einen Methodenschatz aufweisen, der auch auf andere Bereiche übertragbar ist.
  • Insbesondere müssen sowohl Wälder als auch Kommunen komplexe Interaktionen auf lokaler Ebene ermöglichen und organisieren und sich auf diese Weise aus ihren Potentialen heraus entwickeln. Der diese Interaktionen vorantreibende generative Prozess weist schon in seiner Eigendynamik Parallelen auf, wenn er gesunden und nachhaltigen Lebensbedingungen zum Ziel hat.
  • Nicht zuletzt verlangen sowohl infrastrukturelle Planungen für Kommunen als auch die Entwicklungen im bewirtschafteten Wald nach mittel- bis langfristigen Lösungen. In beiden Bereichen sprechen wir von Maßnahmen, die häufig die Dauer einer bis mehrerer Generationen aufweisen.

Bei aller Vorsicht und Zurückhaltung in der Analogisierung glauben wir daher, dass das Modell nachhaltiger Wald und insbesondere der bewirtschaftete naturnahe Wald eine ideale Blaupause ist, um zu lernen und Rückschlüsse auf den Umgang mit kommunaler Infrastruktur zu ziehen.

Die Arbeitsgruppe „kommunale Infrastruktur“ der Gartower Oktobergespräche hat genau dies versucht. Dabei ist die oben gezeigte Graphik entstanden die im Folgenden erläutert werden soll:

Die Elemente des Systems

Ein naturnah bewirtschafteter gesunder Wald besteht aus mehreren Schichten und Strukturelementen, die spezifische Funktionen übernehmen, damit sich das Gesamtsystem positiv entwickeln kann:

Die Oberhälter

Die Oberhälter sind die großen Bäume, die dem Wald seine grundlegende Struktur und Charakteristik geben. Art und Zustand der Oberhälter bestimmen maßgebend den Charakter und die Stabilität des Waldes. Übertragen auf die kommunale Infrastruktur ließen sich z.B. olgende zentrale strukturgebende Elemente als Oberhälter bezeichnen: Schulen, Kindergärten, Sportstätten, Feuerwehr, die Verwaltung, Kirchen, Straßen.

Die Zwischenschicht

Die Zwischenschicht besteht aus niedrigeren Bäumen die für einen stabilen Unterbau sorgen aber auch Vielfalt und Lebensräume für Tiere ermöglichen. Wir verstehen in unserem Modell die Zwischensschicht in Kommunen als diejenigen Infrastrukturangebote, die zwar nicht für den Grunderhalt der Kommune notwendig sind, die aber die Vielfalt in der Kommune erhöhen und zusätzliche Optionen und Angebote bereitstellen. Dabei muss es sich nicht ausschließlich um Infrastruktur im Verantwortungsbereich der öffentlichen Verwaltung handeln. Vielmehr zählen dazu auch ehrenamtlichen und gewerbliche Angebote wie z.B. Vereine und deren Veranstaltungen, Gastronomie und Gewerbe sowie touristische Attraktionen.

Der Waldrand

Der Waldrand fungiert bei einem natürlichen Wald als Schutzmantel. Kann sich der Waldrand natürlich ausprägen, schützen Hecken und dichte Gehölze den dahinter liegenden Wald vor der Witterung und regulieren wie eine Haut den Austausch zwischen Wald und Umland. Wir verstehen in unserem Modell den Schutz und Erhalt bedarfsgerechter Grundversorgung mit Wasser, Elektrizität, Kommunikation, Müllabfuhr etc.

Der Nachwuchs

Der Nachwuchs ist für jeden gesunden Wald wichtig. Nicht nur trägt auch er wie die Zwischenschicht zu Vielfalt und zusätzlichen Lebensräumen bei. Durch eine Veränderung in der Artenzusammensetzung des Nachwuchs kann sich der Wald auch nach und nach als Gesamtsystem verändern, z.B. von einem Nadel- zu einem Laubwald. Im Wald-Kommune-Modell der Arbeitsgruppe haben wir den Nachwuchs als diejenigen Initiativen und Projekte identifiziert, die zwar im momentanen Leben der Kommune nur eine untergeordnete Rolle spielen, diese aber auf Dauer positiv verändern und modernisieren können. Nachwuchs heißt neue Ideen und Innovationen, egal ob diese von Bürgern, Politik, Unternehmerinnen oder kulturell Kreativen initiiert werden. Nachwuchs, das sind Bürgergenossenschaften, Nachbarschaftshilfen, der Bürgerbus oder das verrückte Event. Zum Nachwuchs zählen Projekte wie Carsharing, nachhaltige Energieprojekte in Eigeninitiative oder die Kulturlounge. Im Nachwuchs stecken die größten Hoffnungen für einen Wandel der Kommunen zu lebendigen und nachhaltigen Systemen, die aktuelle Antworten auf äußere Veränderungen finden. Bleibt dieser Nachwuchs aus, wird eine Kommune ihre Lebensqualität verlieren und nach dem Zusammenbruch von Oberhältern und Zwischenschicht nicht mehr zukunftsfähig sein.

Der Humus

Der Schlüssel für einen gesunden Wald und für die Möglichkeit eines vielfältigen gesunden Nachwuchs liegt im Humus. Wird der Humusaufbau vernachlässigt, kann kein vitaler Nachwuchs entstehen. Verarmen die Böden ist ein stabiler gesunder Wald auf Dauer nicht zu erhalten. Humus hat eine biologische, eine chemische und eine physikalische Dimension. Für einen gesunden Humusaufbau müssen diese drei Dimensionen in einem sorgfältig austarierten Wechselspiel zueinander stehen mit miteinander arbeiten. Analog sehen wir den Humus der Kommunen in ebenso ausgewogenen sozialen, ökonomischen und ökologischen Interaktionen. Wenn diese drei Bereiche gepflegt und gefördert werden, wenn sie produktiv miteinander vermittelt werden und zusammen arbeiten, entsteht eine solide Basis, auf der Projekte, Initiativen und Engagement entstehen können. Die Qualität des Humus bestimmt dabei die Qualität und Vielfalt des Nachwuchses. Der Humus entsteht zwar aus dem Substrat der Oberhälter und der Zwischenschichten, er kann aber durch behutsames Eingreifen und das Zuführen von Nährstoffen (kreative Ideen und Ressourcen bei Kommunen) nach und nach in seiner Qualität verbessert werden. Ebenso lässt sich sagen, dass die Arbeit an einer ausgewogenen Förderung sozialer, ökonomischer und ökologischer Qualitäten die besten Grundlagen dafür schafft, dass ein vielfältiger Nachwuchs entstehen kann, der die Kommunen dauerhaft belebt und deren Zukunft sichert.

Das eiserne Gesetz des Örtlichen

In der Forstwirtschaft gilt das eiserne Gesetz des Örtlichen: nichts ist möglich, das nicht der Standortbeschaffenheit entspricht. Ein gutes nachhaltiges Forstmanagement hat daher immer das Verständnis des jeweiligen Standorts im Blick. Lösungen, die auf anderen Standorten funktionieren, müssen nicht unbedingt auf dem zur Frage stehenden Standort greifen. Das heißt aber nicht, dass keine positive Entwicklung möglich ist. Basierend auf der Standortbeschaffenheit gilt es Potentiale zu entdecken und zu fördern. Das gilt auch für Kommunen: die Entwicklung einer Kommune lässt sich nicht unabhängig vom Standort betrachten. Die genaue Analyse des Standorts lässt aber häufig Potentiale erkennbar werden, durch deren Entwicklung sich eine Kommune auch auf ungünstigen Standorten zu einem gesunden nachhaltigen Gemeinwesen entwickeln kann. Je nach Standort braucht dieser Prozess aber mehr oder weniger Zeit, Ressourcen und Einsatz der Akteure.

Wechselwirkungen

Eine lebendige Kommune entsteht ebenso wie ein lebendiger Wald nicht in erster Linie durch die Strukturen, sondern dadurch, wie diese miteinander in Bezeigung und Wechselwirkung stehen und welche Optionen und Potentiale sich daraus ergeben. Die Förderung positiver Wechselwirkungen muss daher ein Ziel jeden Nachhaltigkeitsmanagements sein.

Lehren aus dem Modell

Lehre 1: Regelmäßiges und bewusstes Durchforsten

Auch naturnah bewirtschaftete Wälder werden durchforstet. Das Durchforsten führt zur Verjüngung des Waldes. Auch das „Durchforsten“ in Kommunen sollte kein Tabu mehr sein. Insbesondere in den 70er Jahren hatten die Kommunen volle Kassen. Es wurden Sporthallen, Schwimmbäder, Dorfgemeinschaftshäuser und Spielplätze gebaut. Heute gelingt es vielen Kommunen nicht mehr diese Infrastruktur zu erhalten, zumal sie heute in einem Zustand ist, dass aufwändige Sanierung oder sogar Neubau, mindestens aber energetische und technische Erneuerungen notwendig wären. Selbstverständlich gibt es viele Gründe für diesen Notstand und die Kommunen stehen nicht ausschließlich alleine in der Verantwortung für ihre Infrastruktur. Doch unbeachtet der Verantwortungsfrage, ist es sehr vielen Kommunen heute nicht mehr möglich, den gewohnt hohen Standard aufrechtzuerhalten. Fakt ist, dass viele dieser Infrastrukturen abgebaut werden müssen. Gleiches gilt übrigens auch für Wohnsiedlungen, deren Häuser weder energetischen Standards noch den Wohnbedürfnissen der Menschen entsprechen. Hier werden insbesondere in den nächsten zwei Jahrzehnten gewaltige Aufgaben auf die Kommunen zukommen. Denn in Zeiten des demographischen Wandels und bei sinkenden Einwohnerzahlen wird man schon bald auch im Wohnbau über Abriss diskutieren müssen. Das sind schmerzliche Eingriffe, die politische nicht leicht zu vermitteln sein werden. Auch im Wald schmerzt es, wenn die großen Bäume fallen. Ein regelmäßiges Durchforsten ist aber nötig wenn es mit der notwendigen Besonnenheit geschieht und wenn für genügend gesunden Nachwuchs gesorgt ist. Der Abriss der Schießhalle aus den 50er Jahren ist vielleicht weniger schmerzhaft, wenn es gleichzeitig einen nachbarschaftlich betreuten Fitnessraum mit Sauna gibt, der den Freizeitvorstellungen junger Familien viel eher entspricht. Vielleicht ist es nicht so schlimm, wenn das energieintensive beheizte Freibad geschlossen wird, wenn gleichzeitig der Baggersee an eine Initiative verpachtet wird, die hier naturnahen Badespaß organisiert. Vielleicht tut es dem Dorf gut, wenn die Siedlung aus den 60ern nach und nach rückgebaut wird und die Familien stattdessen wieder im Ortskern zusammen rücken und ihre Ressourcen in den Erhalt der ortsbildprägenden historischen Dorfsubstanz investieren.

Lehre 2: Zwischenschicht und Nachwuchs fördern

Damit beim Durchforsten keine großen Löcher im Wald entstehen, muss es eine gesunde Zwischenschicht geben und einen aufstrebenden Nachwuchs. Viele Kommunen fokussieren sich in ihrer Arbeit auf die Oberhälter und vielleicht noch den Waldrand: sie erhalten die großen Infrastrukturen, investieren große Summen in kommunale Prestigeprojekte und sichern die Versorgung. Dabei wird vergessen, wie wichtig die Zwischenschichten und der Nachwuchs für eine lebendige und dynamische Kommune sind. Sie ermöglichen Synergien und Wechselwirkungen, die das Leben in der Kommune vielfältig und lebendig machen und damit eine hohe Lebensqualität ermöglichen. Hier entstehen Alleinstellungsmerkmale, für die eine Kommune Bekanntheit erlangen kann: in einem besonderen Fest, für das die Menschen aus dem ganzen Land anreisen, in einer einzigartigen Kombination von Betrieben, die einmalige Produkte produzieren oder Dienstleistungen anbieten, in der Kulturscheune, die immer wieder zu interessanten Events einlädt, in der besonderen Gastronomie, im Vereinsleben oder im Engagement der Bürgerinnen und Bürger für außergewöhnliche Gemeinschaftsprojekte. Sind Zwischenschichten und Nachwuchs vorhanden, fällt es Kommunen leichter, marode Infrastruktur mit schlanken innovativen Lösungen zu ersetzen oder weiterzuentwickeln. Sie können auf die nachwachsende Substanz setzen. Bedarfe werden anhand der Zwischenschicht und des Nachwuchs besser erkannt, Planungen basieren auf konkreten Bedürfnissen und Erfahrungen. Es entsteht ein Push von unten. Aus dem Engagement, den Projekten und Initiativen, aus dem alltäglichen Leben entwickeln sich neue verbindende Strukturen. Der verzweifelte Versuch einiger Kommunen durch aufwändige Infrastrukturangebote ohne Bedarf einen Pull zu erzeugen wird so vermieden. Zur Pflege von Zwischenschichten und Nachwuchs bedarf es nicht viel: diese Strukturen wachsen aus eigenem Antrieb, wenn sie die entsprechenden Bedingungen vorfinden.

Lehre 3: Humusaufbau ist der Schlüssel

Die richtigen Bedingungen liegen im Humus. Der Aufbau eines gesunden Humus kann daher als vornehmste Aufgabe gelten, auch wenn sie am wenigsten sichtbar ist. Humus entwickelt sich langsam. Er entsteht insbesondere aus dem Substrat der Oberhälter und der Zwischenschicht. Eine Kommune benötigt also eine basale Infrastruktur damit überhaupt Humus entstehen kann und der Boden nicht verarmt. Fehlen gesunde Oberhälter kann eine Kommune nur durch Zufuhr von außen am Leben erhalten werden und das auch nur auf einem minimalen Level. Sind die Oberhälter noch vorhanden gilt es sie in dem maße zu erhalten, dass sie genügend Substrat für den Humus entwickeln. Eine Kommune ohne Schule ist weniger attraktiv für junge Familien. Eine Kommune ohne Bank und schnelles Internet ist unattraktiv für kleine Firmen. Zum Humus können durchaus auch Nährstoffe und Katalysatoren zugeführt werden: Fördermittel sind gut eingesetzt, wenn sie den Humus anreichern, also Projekte fördern, die neue Interaktionen schaffen und nicht für die Oberhälter genutzt werden, bei denen auch große Summen wenig bewirken.

Das Geheimnis eines guten Humus liegt aber vor allem in dem oben beschriebenen Zusammenspiel von ökologischen, sozialen und ökonomischen Interaktionen. So lernen sich Akteure aus allen Feldern kennen und gehen miteinander in einen produktiven Austausch, der im Idealfall zu emergenten Lösungen für kommunale Probleme führt: Potentiale werden erkannt, Synergien gebildet, Neues entwickelt. Noch wichtiger als die Unterstützung mit Ressourcen ist dafür ein Klima der Offenheit und Toleranz und des gemeinwohlorientierten Unternehmertums: ehrenamtlich und gewerblich. Vielfalt muss zugelassen, Innovation und Risikobereitschaft unterstützt und Neues mit Neugierde begegnet werden.

Der Aufbau eines gesunden Humus ist ein fragiler Prozess und einer der viel Zeit in Anspruch nimmt. Erfolge sind nicht immer sofort sichtbar. Auf Dauer ist ein guter Humus: eine Kultur der Zusammenarbeit aber die wertvollste Grundlage um Kommunen dauerhaft lebendig zu halten.

Fazit: Lernen, mit generativen Prozessen zu arbeiten

Wälder und Kommunen begreifen wir häufig als statische Gebilde, zumindest doch als an Orte gebundene Strukturen. Das tiefere Verständnis eines Waldes als Ökosystem zeigt den Wald jedoch als einen generativen Prozess, der sich auf der Grundlage der Standortbeschaffenheit entfaltet. Ein generativer Prozess ist ein Prozess, der Lebendigkeit und Nachhaltigkeit aus sich selbst heraus erschafft, der im Wandel ist und neuen Formen und Lösungen generieren kann. Er ist in der Lage Potentiale in konkrete Lösungen zu verwandeln. Wenn wir nach der Zukunft von Kommunen und ihrer Infrastruktur fragen, scheint es hilfreich, auch sie als generative Prozesse zu begreifen. Sie sind kein statischen Gebilde. Sie sind Prozesse und als solche wandlungsfähig. Dazu benötigen sie eine noch erhaltene Grundinfrastruktur und einen Schutz. Vor allem aber benötigen sie Humusaufbau und Nachwuchs. Um Nachhaltigkeitsmanagement im Sinne der Forstwirtschaft im kommunalen Bereich zu praktizieren, müssen wir lernen was generative Prozesse sind, wie sich lebendige Systeme dynamisch entwickeln und wie sie aus sich selbst heraus Potentiale mobilisieren um akuten Herausforderungen zu begegnen. Das arbeiten mit generativen Prozessen erfordert ein verständiges Eingreifen auf allen Ebenen, das nicht die Schaffung eines Endzustandes zum Ziel hat, sondern die langfristige Gesundheitt und Stabilität der Dynamik des Prozesses.

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