Das skurrile Oldenburg

Modernes Stadtschreibertum

In jeder Stadt kursieren Geschichten, Märchen und Fabelwesen, die mündlich immer weiter gesponnen werden. Dabei bleiben sie niemals gleich. Kaum hat man sie weiter erzählt, sind sie auch schon wieder ganz anders.

Die Schriftstellerin Sabrina Janesch versucht nun, über ein gesamtes Jahr diese Geschichten in und um Oldenburg einzufangen. Dabei schreibt sie diese nicht nur nieder, sondern treibt sie weiter, ins Extreme, ja nahezu Skurrile.

 

„Oldenburg ist ein gemeingefährlicher Ort, den man, wenn man an seinem Leben hängt, besser meiden sollte. Wenigstens bei Regen.

Nicht genug, dass Oldenburg sich auf der Nordhalbkugel befindet, und somit alle Jahreszeiten genau falsch herum statt finden; abgesehen davon wechselt das Wetter alle halbe Stunde und hält die Oldenburger zum Narren. Die meisten von ihnen trauen sich nur noch mit großen Koffern oder Seesäcken auf die Straße, in denen sie Kleidung für alle Eventualitäten mit sich führen. Mit der Zeit sind besonders praktisch veranlagte Gemüter dazu übergegangen, sich an strategisch günstigen Straßenkreuzungen und Plätzen kleine Erdhöhlen zu graben, in denen sie ihre Ausrüstung verstauen.“

 

Es macht Spaß diese Texte zu lesen und insbesondere Freude, beim Gang durch diese pittoreske Kleinstadt daran zu denken, sie sich vor Augen zu führen und natürlich auch noch weiter zu spinnen.

Das BLogbuch Oldenburg wird seit einigen Jahren vom Literaturbüro vor Ort betrieben. Jährlich werden Schriftsteller_innen ausgewählt, über und von der Stadt zu schreiben und damit eine Art „modernes Stadtschreibertum“ fortzuführen.

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