Anders wohnen in der Stadt — Fachtagung zum 150. Jubiläum des Stephansstifts Hannover

von Roland Wehking | 21. August 2019

Auf Einladung der evangelischen Akademie Loccum konnte ich zur Fachtagung mit Vertretern von Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und Kommunen gemeinsam mit Frau Grondke (Stadträtin für Stadtentwicklung und Umwelt Kiel) einen Beitrag zum Thema »Partizipatives Planen: Die halbe Miete für ein besseres Leben in der Stadt« leisten. Auf der Fachtagung wurde die Frage des zukünftigen guten Lebens in der Stadt von ganz unterschiedlichen Seiten beleuchtet: Architekten, Sozial- und Gesundheitswissenschaftler sowie kirchliche Akteure und Kommunalvertreter machten sich gemeinsam Gedanken, wie dieses andere, gute Leben aussehen und gestaltet sein könnte und wer welche Rolle dabei einnehmen sollte.

Zum Anfang unserer Session berichtete Frau Grondke ausführlich über Ihre Bemühungen, die wie sie sagte »4. Stadtgründung Kiels« partizipativ mit der Bürgerschaft zu bewältigen. Dabei betonte Sie »Beteiligung sei gestern gewesen«, jetzt wäre es an der Zeit gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Dabei scheut sie sich auch nicht unkonventionelle Wege einzuschlagen und betonte die Wichtigkeit sektorales Denken aufzugeben um in komplexen Problemstellungen zu nachhaltigen Lösungen zu kommen. Dabei sei Ihre Funktion als Kommunikatorin und Schnittstelle zwischen Verwaltung, Politik und Bürgerschaft besonders wichtig, um Vertrauen und Verbindlichkeit für die vielen (Bau-)Projekte in der Stadt Kiel herzustellen.

Im Anschluss konnte ich für das IPG unsere Ansätze zur Entwurfsorientierten Partizipation an Hand des Projektes »Stadtwerkstatt Berliner Mitte« vorstellen. Mein Schwerpunkt lag auf der gemeinsamen kokreativen Arbeit an räumlichen Planungsprojekten als Schlüssel für produktive und vertrauensvolle Prozesse mit guten Ergebnissen.

Zusammenfassend stellte ich noch die 10 sich aus der Arbeit in der Stadtwerkstatt und den langjährigen Erfahrungen aus vielen Beteiligungsprozessen ergebenden Muster vor, die allgemein zu einem guten Gelingen langfristiger Partizipationsprozesse beitragen:

1. kontinuierliche und verflochtene Prozesse
2. feste Beteiligungsorte
3. offene Foren
4. kollaboratives und kokreatives Arbeiten
5. klare Schnittstellen und Verbindlichkeiten zu Politik und Verwaltung
6. eigenverantwortliche Bürger*innenProjekte
7. Alle-Phasen-Partizipation
8. Verfahrensentwicklung mit Akteur*innen
9. Offene und Vertrauensvolle Haltungen
10. Beachtung der Psychologie der Stadt

Momentan arbeiten wir daran, diese Grundsätze und unsere Erfahrungen im Konzept der »kokreativen Kommune« zusammenzuführen und so auch über einzelne Beteiligungsverfahren hinaus als grundlegendes Arbeitsprinzip in Kommunen nutzbar zu machen. Dazu dann bald mehr!

In der anschließenden lebhaften Diskussion wurden noch ausführlich Fragen zu inklusiven Aspekten von Beteiligung und kokreativer Planung erörtert. Auch Fragen nach Ansprache potentieller Teilnehmerinnen und Kommunikation der Ergebnisse und partizipativer Prozesse in die Stadtgesellschaft spielten eine Rolle. Ein wesentlicher Diskussionspunkt war auch, wie man die verschiedenen Denk- und Arbeitsweisen von bürgerschaftlichen Initiativen auf der einen und Verwaltung und Politik auf der anderen Seite annähern könnte, so dass eine befruchtende Zusammenarbeit erleichtert wird.

Insgesamt eine lohnende und lebhafte Tagung mit viel Input und guten Gesprächen. Ich danke Herrn Drews von der Evangelischen Akadmie Loccum für die Einladung!

Die Präsentation finden Sie hier zum Download.

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